Warum dieses Seminar wichtig ist
Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung (MeH) durch Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Tumore standen mitten im Leben, bevor sich von einer Sekunde auf die andere alles veränderte. Bei der Aufnahme in eine WfbM bringt diese Personengruppe meistens eine fertige Berufsbiografie, wertvolle Kompetenzen aus dem früheren Berufsleben – aber oft auch eine ausgeprägte Identitätskrise mit.
Eine besondere Herausforderung für die Fachkräfte in der Werkstatt ist das hochgradig heterogene Störungsbewusstsein dieser Zielgruppe:
Während ein Teil der Klienten unter einem quälend bewussten Erleben der eigenen Defizite leidet (oft begleitet von Frustration und Depression), zeigt ein anderer Teil – bedingt durch neuropsychologische Schädigungen wie der Anosognosie – überhaupt kein Bewusstsein für die veränderten Fähigkeiten oder reagiert mit ungesteuerter Impulsivität.
Standardkonzepte der WfbM greifen hier zu kurz. Um MeH-Betroffene psychisch stabilisierend, wirtschaftlich nachhaltig und fachlich passgenau zu begleiten, braucht es spezialisierte Strukturen. Dieses Seminar vermittelt Ihnen das nötige Rüstzeug, um MeH-Konzepte in Ihrer Werkstatt erfolgreich und zukunftssicher zu etablieren.
Seminarkonzept:
Aus der Praxis für die Praxis.Die Inhalte basieren auf langjähriger praktischer Erfahrung und sind direkt im Werkstattalltag anwendbar. Das Seminar verbindet pädagogische Lösungsansätze für den Gruppenalltag mit den organisatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen an die verschiedenen Leitungsebenen. Der gemeinsame Erfahrungsaustausch steht dabei im Vordergrund.
Die Themenschwerpunkte des Seminars
Der rote Faden: Von der Aufnahme bis zum Arbeitsbereich
- Das Erstgespräch:Wie wir bereits bei der Auswahl der Klienten die richtigen Weichen stellen und realistische Erwartungen aufbauen.
- Die Phasen der Teilhabe:Das nahtlose Zusammenspiel von Eingangsverfahren, Berufsbildungsbereich (BBB) und dem späteren Arbeitsbereich.
- Spezialgruppe versus Integration im Berufsbildungsbereich:Vor- und Nachteile einer eigenen MeH-Gruppe im Vergleich zur direkten Integration in bestehende Gruppen.
- Passgenaue Platzierung im Arbeitsbereich:Entscheidende Kriterien für die Auswahl der dauerhaften Arbeitsgruppe (z. B. reizarme Umgebung, kognitives Niveau, berufliche Vorerfahrungen, körperliche Einschränkungen etc.).
Praxis-Pädagogik im Werkstattalltag
- Herausforderung Störungsbewusstsein:Von tiefer Frustration bis hin zur fehlenden Einsicht in die eigenen Defizite.
- Krisenintervention:Sicherer Umgang mit Impulsivität und herausforderndem Verhalten am Arbeitsplatz.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Hand in Hand in der WfbM
- Warum ein gutes MeH-Konzept nur funktioniert, wenn Gruppenleitung, Sozialer Dienst, begleitende Dienste und Werkstattleitung eng und abgestimmt zusammenarbeiten.
- Praktische Tipps für den Informationsfluss und die gemeinsame Förderplanung.
Die praktische Arbeitsplatzgestaltung: Hilfen, die den Alltag erleichtern
- Arbeiten ohne Frustration:Wie wir Arbeitsplätze so strukturieren, dass Fehler gar nicht erst entstehen und der Klient direkte Erfolgserlebnisse hat („Fehlerfreies Lernen“).
- Visuelle bzw. praktische Hilfsmittel:Der kreative Einsatz von Vorrichtungen, Schablonen, Farbleitsystemen und Fotoketten, um die Merkfähigkeit zu entlasten und die Selbstständigkeit zu sichern.
Akquisition & Netzwerkarbeit
- Brücken in den Markt bauen:Wie wir Berührungsängste bei Unternehmen abbauen und Kooperationen schaffen, die für die Wirtschaft rentabel sind und unseren Beschäftigten echte Perspektiven bieten.
- Strategische Gewinnung (Akquisition) von passenden Aufträgen aus der Wirtschaft, die den Fähigkeiten von MeH-Klienten entsprechen.
- Aufbau und Pflege eines starken regionalen Netzwerks (Kliniken, Reha-Träger, Rentenversicherungen, Berufsgenossenschaften etc.), um als spezialisierter Anbieter wahrgenommen zu werden.
- Einbindung von neuropsychologischer Unterstützung
Wirtschaftliche Absicherung
- Praxisnahe Kalkulation von adäquaten Tageskostensätzen gegenüber den Leistungsträgern, um den erhöhten personellen und strukturellen Aufwand dauerhaft zu refinanzieren.
Ihr Nutzen als WfbM-Mitarbeitende
- Sie erhalten direkt anwendbare Methoden für den Umgang mit herausforderndem Verhalten und fehlender Einsicht bei MeH-Klienten.
- Sie lernen, wie Sie Arbeitsplätze so modifizieren, dass Ihre Beschäftigten trotz Einschränkungen produktiv und fehlerfrei arbeiten können.
- Sie erwerben das kaufmännische und strategische Rüstzeug, um Ihr MeH-Angebot wirtschaftlich tragfähig zu kalkulieren und erfolgreich am Markt zu platzieren.
Zielgruppe
Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung (gFAB), Gruppenleiter/innen, Sozialer Dienst, Werkstatt- und Bereichsleitungen sowie Konzeptionsverantwortliche in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM).
Dozent: Manfred Schmidt, Betriebswirt VWA, Heilerziehungspfleger, mit über 30 Jahren intensiver Praxiserfahrung in der Rehabilitation und Begleitung von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen (MeH)
Preis: 195,00 € zzgl. der gesetzlichen MwSt.
Ort: Online
Technik: Sie benötigen:
- einen PC oder Laptop,
- stabile Internetverbindung
- eine Webcam (bei Laptops eingebaut)
- Headset oder Kopfhörer
Ihre Anfrage für das Online-Seminar am 18.02.2027 von 09:00-15:30 Uhr
Anmeldeschluss: 04.02.2027