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„Zukunft der Werkstätten – und wo bleiben WIR? “

Das System der Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation. Während die großen politischen Reformvorschläge des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) derzeit stagnieren, verändert sich die Realität im Werkstattalltag zunehmend. Wir erleben hochkomplexe Handlungsfelder, die die bisherigen Strukturen erheblich beeinflussen:

Wandel der Erwerbsaufträge & Wirtschaftsdruck:

Klassische Industrie- und Montageaufträge brechen weg oder verändern sich grundlegend. Kunden fordern hohe Flexibilität und kleinere individuellere Stückzahlen, während die Globalisierung den Markt verengt.

Die veränderte Struktur der Werkstattbeschäftigten:

Die Zusammensetzung der Werkstattbeschäftigten in den Arbeitsgruppen wandelt sich erheblich. Ein spürbarer Wandel der Indikationen (z. B. Zunahme psychischer Erkrankungen in Kombination mit einer geistigen Beeinträchtigung oder komplexerer Hilfebedarfe) trifft auf einen demographisch bedingten Rückgang der Belegungszahlen. Gleichzeitig führt der Wunsch oder die Notwendigkeit nach flexibleren Lebensmodellen zu einer stark ansteigenden Zahl an Teilzeit-Arbeitsplätzen.

Sparmaßnahmen versus erhöhter Dokumentationsaufwand:

Aufgrund angespannter Haushaltslagen begrenzen die Leistungsträger die zur Verfügung stehenden Finanzmittel immer stärker. Demgegenüber steht ein massiv gestiegener bürokratischer Aufwand – insbesondere durch die detaillierten Nachweispflichten im Zuge des neuen Gesamt- und Teilhabeplanverfahrens. 

Die zentrale Herausforderung:

Wie sichern wir die Existenz und den Kernauftrag der Werkstatt, wenn sich Belegung, Aufträge und Finanzen gleichzeitig verändern?

Dieser Workshop bietet Ihnen eine Plattform für den strategischen Austausch.

Wir erarbeiten konkrete Impulse, wie Sie Organisationsstrukturen überprüfen sowie Prozesse analysieren und anpassen. Ziel ist es, die WfbM betriebswirtschaftlich zukunftssicher aufzustellen und gleichzeitig den Menschen mit Behinderung konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Kernziele des Workshops:

Gemeinsame Orientierung:

Wir ordnen die realen Auswirkungen von Spardruck, Demografie und Belegungsänderungen strategisch ein, damit Sie die Ursachen für veränderte Abläufe im Werkstattalltag besser verstehen und gegensteuern können.

Strukturen auf dem Prüfstand:

Werkzeuge kennenlernen, um interne Prozesse und Abteilungsstrukturen kritisch zu hinterfragen und flexibler aufzustellen. 

Kultur & Wirtschaftlichkeit vereinen:

Das personenzentrierte Denken aller Mitarbeitenden mit den notwendigen betriebswirtschaftlichen Faktoren in Einklang bringen. 

Die Themenschwerpunkte: 

  1. Die Veränderungen der Werkstattbeschäftigten
  • Die neue Realität der Belegung: Wie wir dem demographisch bedingten Rückgang der Belegungszahlen aktiv
  • Indikationswechsel & Teilzeit: Konzepte für Arbeitsgruppen, in denen sich Hilfebedarfe verändern und vermehrt Teilzeitkräfte koordiniert werden müssen.
  • Kultur des Miteinanders: Das personenzentrierte Denken im gesamten Team und bei allen Mitarbeitenden – über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg – nachhaltig verankern.
  • Vom Konzept in die Praxis: Vorstellung selbst entwickelter Modelle und Denkansätze
  1. Finanzieller Druck, Bürokratie und der reale Sparmodus

    Kostendruck im Alltag:

    Den Sparmaßnahmen der Leistungsträger strategisch begegnen

  • Die strategische Herausforderung: Wie Werkstätten den engen Budgetvorgaben von Leistungsträgern aktiv begegnen und finanzielle Spielräume strategisch steuern können, anstatt nur passiv zu reagieren.

    Der Abbau von administrativen Doppelstrukturen (Bürokratie-Verschlankung)

  • Optimierung der Datenflüsse: Einrichtung medienbruchfreier, digitaler Schnittstellen zwischen Fachdiensten und Gruppenleitungen. Vermeidung von Mehrfacherfassungen (z. B. für die Gesamt- und Teilhabeplanung) durch integrierte Softwarelösungen und standardisierte Textbausteine.
  • Schlanke Workflows bei Kriseninterventionen: Etablierung klarer, abteilungsübergreifender Ablaufpläne zur Vermeidung von zeitaufwendigen Telefonketten und doppelter Aktenführung.
  • Verknüpfung Qualitätsmanagement und Pädagogik: Zusammenführung von produktionsbezogenen Vorgaben (z.B. DIN-Normen) und personenbezogenen Qualifizierungs- und Entwicklungsnachweisen in einheitlichen, digital gestützten Dokumenten zur Reduzierung des Dokumentationsaufwands.

     Nutzung digitaler Assistenzsysteme zur betriebswirtschaftlichen Standortsicherung

  • Verbindung von Inklusion und Qualität: Wie digitale Assistenten fehlerfreies Arbeiten nach Industriestandard ermöglichen und gleichzeitig Barrieren am Arbeitsplatz abbauen. Die Systeme sollen die Beschäftigten im Arbeitsprozess anleiten und das Fachpersonal bei der Kontrolle entlasten.
  • Mögliche technische Ansätze im Projektverlauf (beispielhaft): Optische und sensorgestützte Kommissionierhilfen (z. B. Pick-by-Light), digitale Montageanleitungen per Tischprojektion sowie spielerische Qualitätssicherungen (z. B. Toleranzprüfungen per Farbsignal/Smiley).

    Ressourcenknappheit aktiv managen

  • Das Zeit-Ressourcen-Gleichgewicht: Praktische Wege, um administrative Pufferzeiten effizient zu bündeln und die freigewordene Arbeitszeit gezielt dorthin zurückzubringen, wo sie hingehört: direkt zum Menschen in die pädagogische Begleitung. 
  1. Wirtschaftsbereich & Erwerbsaufträge der Zukunft
  • Veränderung der Erwerbsaufträge: Wenn der klassische Großkunde wegbricht – neue Marktsegmente, Dienstleistungen und Nischen für die Werkstatt erschließen.
  • Betriebswirtschaftliche Faktoren stärken: Warum betriebswirtschaftliches Denken und Kalkulieren auf Ebene der Team- und Gruppenleitung heute wichtiger ist denn je, um Arbeitsplätze langfristig zu sichern.
  1. Organisations- und Prozess-Check (Die Werkstatt neu denken)
  • Organisationsstrukturen überprüfen: Passen unsere starren Abteilungen noch zur veränderten Belegung und den flexiblen Arbeitszeiten (Teilzeit) der Beschäftigten?
  • Prozesse optimieren: Arbeitsabläufe in Produktion und Betreuung systematisch durchleuchten und bei Bedarf konsequent neu strukturieren.
  • Schnittstellen optimieren: Den Informationsfluss zwischen Fachdiensten, Arbeitsvorbereitung und Gruppenleitung schlanker gestalten. 
  1. Der Zukunfts-Check: Ein ehrlicher Ausblick

    Der neue Arbeitsplatz: Außenarbeitsplätze und Homeoffice

  • Chancen und Grenzen dezentraler Arbeitsformen: Wie verändern vermehrte Außenarbeitsplätze die Gruppenstrukturen und die Rolle der Fachkraft als „Begleiter auf Distanz“?
  • Digitales Arbeiten für Werkstattbeschäftigte: In welchen Bereichen (wie Digitalisierungsservices oder Datenannotation) ist Homeoffice rechtlich, organisatorisch und pädagogisch machbar – und wo liegen die Grenzen der sozialen Teilhabe? 

    Modularisierung durch Teilqualifizierungen

  • Erreichbare Meilensteine: Können zertifizierte Bildungsbausteine (z. B. angelehnt an reguläre IHK-Berufsfelder) den Beschäftigten mehr Perspektiven bieten, das personenzentrierte Denken unterstützen und den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtern? 

    Die Brücke zum Markt: Engere Verknüpfung mit Inklusionsfirmen

  • Kooperation statt Konkurrenz: Strategische Wege für eine fließende Verzahnung und Durchlässigkeit zwischen der WfbM und regionalen Inklusionsfirmen, um Beschäftigten einen geschützten und dennoch marktnahen Arbeitsplatz zu bieten.

    Ressourcen und Grenzen im Alltag

  • Die Machbarkeitsfrage: Können diese zukunftsweisenden Aufgaben in Betreuung, Produktion und Dokumentation vom Personal angesichts der Veränderungen überhaupt noch bewältigt werden? 

    Die Kernfrage

  • Vom Reagieren zum Agieren: Wie gestalten wir den Weg der WfbM und unsere eigenen Handlungsfelder aktiv und selbstbestimmt mit, anstatt nur auf Krisen und politische Rahmenbedingungen zu reagieren? 

Arbeitsweise:

Dieser Workshop bietet keine starren Patentrezepte, sondern Raum für neue Ideen. Nach kurzen, fachlichen Impulsen steht Ihre Praxis im Mittelpunkt: Im kollegialen Dialog und in Kleingruppen hinterfragen Sie bestehende Abläufe und erarbeiten konkrete Lösungen. Profitieren Sie von einem moderierten Erfahrungsaustausch über Einrichtungs- und Bundesländergrenzen hinweg.

Zielgruppe:     

  • Teamleitungen (Fachdienste und Produktion) in einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung.
  • Fachkräfte / Gruppenleitungen, Mitarbeiter*innen aus den Fachdiensten anderer Bereiche.
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Zukunft mehr Verantwortung in einer WfbM übernehmen sollen.

Teilnehmer:                   max. 16 Personen

Dozent:                         Manfred Schmidt, Betriebswirt VWA,   Heilerziehungspfleger, Elektrotechniker

Preis: 195,00 €  zzgl. der gesetzlichen MwSt.
Ort: Online
Technik: Sie benötigen:

  • einen PC oder Laptop,
  • stabile Internetverbindung
  • eine Webcam (bei Laptops eingebaut)
  • Headset oder Kopfhörer

Ihre Anfrage für das Online-Seminar am 03.12.2026 von 09:00-15:30 Uhr

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    Anmeldeschluss: 19.11.2026